nach dem info-abend am 26.6.2014 in inning mit ddr. manfred moschner und roland düringer hat
vize-bürgermeister thomas obruca dem wunsch düringers rechnung getragen,
einen brief an die politik zu verfassen. der brief vom 4.7.2014 wurde
im 183. videotagebuch-eintrag auf düringers plattform
www.gueltigestimme.at am 16.7.2014 veröffentlicht. sie können ihn im
folgenden nachlesen.
im brief werden viele themen und probleme angeschnitten, die man ausdiskutieren sollte. "man sollte" ist vielleicht eines unserer probleme. was hindert uns daran, darüber zu diskutieren? es wird jedenfalls spannend. 2015 stehen gemeinderatswahlen an und den hürmer schwarzen ist die opposition abhanden gekommen. eine selbstzerfleischung der schwarzen bünde ist zu erwarten.
Liebe österreichische Politik!
Stellvertretend für Sie habe ich mir
erlaubt, einige meinem Ermessen nach in ihrer Tätigkeit wichtige
Fähigkeiten herauszugreifen und einem Realitätscheck zuzuführen.
Kurzfristiges Agieren und Denken: Bitte dieser Tätigkeit höchste Konzentration widmen ; Hinweis: es gibt parteiinterne Schulungen dafür!
Mittel - und langfristig orientiertes Handeln und Planen: Bitte ausblenden, sonst hat man nach 5 Jahren nichts mehr „zum Denken“; man will ja wiedergewählt werden!
Einbindung der Bürger: Brauchen wir nicht, denn die vergessen ja eh‘ so schnell!
Ehrlichkeit gegenüber den Bürgern: Ist auch vernachlässigbar; Rest wie Frage davor!
Zusammenarbeit mit anderen Parteien, Koalitionspartner inkludiert: Bitte nicht, die könnten ja bessere Ideen haben!
Akzeptieren von Ideen anderer Parteien, zum Beispiel jene vom Koalitionspartner: Sicher nicht, die „reden sich das ja nur schön“ um uns in der Wählergunst zu überholen!
Anpassen an die Realität: Brauchen wir nicht, es ist immer schon so gegangen! Lieber den Augenblick im Visier als die Zukunft! Sollte es wirklich eng werden, ein Blick zurück wird schon helfen!
Visionen: Ist das nicht eine schreckliche Krankheit? Lieber nicht anstreifen bzw. rechtzeitig dagegen immunisieren!
Die österreichischen
politischen Verhältnisse bzw. deren Unzulänglichkeiten kann man an
diesen von mir erwähnten, sicher nicht erschöpfend aufgezählten
Beispielen charakterisieren, welche deutlich aufzeigen, wo es im System
krankt. Sie geben eindeutig die heutige politische Zeit und deren
Zustand wieder. Eine Korrektur dieser würde nicht nur viele Probleme im
Land, jedweder Natur, beseitigen, sondern vielmehr auch das Vertrauen
der Bevölkerung in die Politik stärken. Es würde dieser „Zunft“ wieder
den Stellenwert geben, denn sich so viele, welche darin engagiert sind,
verdient hätten für ihre größtenteils ehrenamtliche Tätigkeit zum
Gemeinwohl der Gesellschaft. Denn man vergisst schnell, dass eine
Vielzahl „der Politiker“, vor allem im kommunalen Bereich, ehrliche und
großartige Arbeit leistet und nur einige wenige dieses Bild in den
letzten Jahrzehnten verzerrt oder gestört haben. Es ist daher nicht
verwunderlich, dass sich nicht nur Bürger sondern auch Funktionäre von
der Politik und ihren Parteien abwenden.
Wir leben in einer
Zeit bzw. wir erleben eine Zeitenwende, in der die Gesellschaft mehr und
mehr vom Miteinander in den Egoismus abdriftet. Gemeinwohl steht nicht
mehr im Vordergrund, sondern das Erreichen eines persönlichen Vorteils
ist das unumstrittene Ziel vieler Menschen geworden. Ist dies dann
erreicht verstärkt sich diese „Reise in die Ichbezogenheit“ vielfach.
Wollen wir dieses Phänomen weiterhin fördern oder gibt es nicht doch
Alternativen dazu, Möglichkeiten diese Tendenzen zu stoppen und die
Menschen zu überzeugen, dass es auch andere Kombinationen und Wege gibt.
Das Streben nach Wohlstand und einem besseren Leben ist berechtigt,
doch sollte die Konsequenz daraus nicht die Verneinung des Miteinanders
und die soziale Isolation sein.
Und hier ist die Politik gefordert anzusetzen.
Durch das Fördern von sozialem Engagement und einer Gesellschaft des
Miteinanders können nämlich im Idealfall beide oben beschriebenen
Phänomene wieder abgewendet werden. Einerseits wird die großflächige
Wanderung in die Isolation und das Bilden von Egoismus vermieden,
andererseits kann meiner Meinung nach dadurch auch das Verständnis für
die Politik gehoben und als Konsequenz daraus vielleicht auch wieder
mehr Engagement in der Politik erreicht werden. Vor allem im kommunalen
Bereich ist die Involvierung von Bürgern zur Bewältigung der politischen
Alltagsarbeiten unumgänglich. Eine zentrale Steuerung von oben würde
hier überhaupt nicht funktionieren und letztendlich zu einem Kollaps
oder Aufstand führen. Um dies zu erreichen muss die Politik vorangehen,
positive Zeichen setzen und den Leuten das Gefühl geben, dass dies
ehrlich gemeint ist! Sich wandeln!
Passiert dies nicht
besteht die enorme Gefahr, dass die Bevölkerung nie wieder Verständnis
für unser gewähltes politisches System aufbringen wird bzw. kann.
Einerseits durch ein weiteres Zunehmen der Frustration und
Vernachlässigen des sozialen Umfelds, andererseits vielleicht auch durch
das Entstehen anderer politischer Systeme, welche eine Beteiligung des
Einzelnen am politischen System eventuell nicht mehr anstreben oder
tolerieren.
Ein
weiterer wichtiger Aspekt, welcher zusätzlich zum Gelingen der vorhin
genannten Punkte beiträgt und ein Umdenken in der Politik erfordert,
ist ein notwendiger Wandel des uns bekannten und praktizierten
Wirtschaft – und Sozialmodells. Im derzeitigen Wirtschaftsmodell steht
das absolute Gewinnstreben, basierend auf ständigem Wachstum, im
Vordergrund, und der Glaube, dass der freie ungeregelte Markt der Boden
für Wohlstand ist, dominiert die Meinungsbildner in Wirtschaft und
Politik. Diese Annahme ist im Prinzip längst Geschichte und hat sich so
nicht ganz bewahrheitet. Wir wissen mittlerweile, dass es ein stetes
Wachstum nicht geben kann und dieses eigentlich unnatürlich ist. Die
Natur zeigt dies ganz eindeutig vor, denn dort zeigt sich schnelles oder
zu schnelles Wachstum in einer minderen Qualität.
Vielmehr
ist es nun erforderlich ein nachhaltiges System zu entwickeln, welche
in den Bereichen der Ökologie, der Ökonomie und dem Sozialen eine
Parität herstellt. Zudem müssen wir uns fragen, ob in Zukunft Wohlstand
wirklich nur über materielle oder monetäre Werte definiert werden soll,
oder ob nicht ganz andere Werte im Vordergrund stehen sollen. Leben,
Lebensqualität, Streben nach einem sozialen Miteinander!
Generell wurden die
derzeit existenten politischen Strukturen aller Parteien nicht an die
Realität angepasst, nicht nachjustiert. Im Gegenteil, unter Bezugnahme
und steter Huldigung und Hinwendung an (parteilich) Vergangenes wird
übersehen, dass sich die Parteistrukturen gegenseitig aufreiben und
versuchen, sich auszuspielen. Konsequenz daraus wird auf kurz oder lang
eine Aufsplitterung in Einzelgruppen – u/o Parteien sein. Ob dies
zielführend und wünschenswert ist, wage ich zu bezweifeln, da es meinem
Ermessen nach zu einer weiteren Polarisierung einzelner
Bevölkerungsgruppen- und Schichten führen wird. Dies ist ja heute schon
zu beobachten, nämlich dort, wo manche Parteien im Inneren so
aufgestellt sind. Ein parteiübergreifendes Miteinander wäre vielleicht
ein Lösungsansatz für die Zukunft. Bevor dieses Miteinander erreicht
werden kann, müssen aber alle Parteien an sich selbst arbeiten. Die
größte Opposition einer Partei ist die eigene Partei bzw. Teile davon.
Dort, im Inneren der Partei, finden auch die härtesten „Kämpfe“ statt,
und dies wirkt sich logischerweise auch auf die Arbeit nach außen aus.
Solange verschiedene Interessen in einer Partei vertreten werden sollen,
wird dies nicht gelingen. Historisch gesehen mögen diese Strukturen
Sinn gemacht haben, nur finden diese in der heutigen Zeit keine optimale
Anwendung mehr.
Zusammenfassend
sei der Politik gesagt, dass sie neben der bestmöglichen Unterstützung
der natürlichen Innovationsfreudigkeit ihrer Bürger einfach nur aus
Erfahrungen und Fehlern, welche vielerorts dokumentiert sind, lernen
soll. Man sollte Empfehlungen ernsthaft nachgehen und sie nicht auf die
lange Bank (i.e. nächste Amtsperiode) schieben. Man sollte die
Verdrossenheit und Verzweiflung vieler Menschen in die derzeitige
Politik richtig lesen und deuten, denn nur so kann man richtig
re(a)gieren. Zu guter Letzt sollte man dann bei der Umsetzung des
Genannten vor allem mehr auf den natürlichen „Hausverstand“ vertrauen,
und nicht auf Spin-Doktoren bzw. Meinungsumfragen! Klingt zwar
abgedroschen, ist aber wahrscheinlich am hilfreichsten für uns alle!
Die
Natur und die Menschheit haben aus Fehlern und Ineffizienzen gelernt
und sind so zum Besseren mutiert. Warum kann dies nicht auch die
Politik?
„Die
Geschichte und die Vergangenheit eines Landes sind ein wichtiger
Bestandteil und Beitrag zur Identität. Um aber die Weiterentwicklung und
den Fortschritt eines Landes sicherzustellen und voranzutreiben sollte
man sich an der Gegenwart orientieren und die Zukunft bestmöglich
antizipieren!“
tommio2014
Thomas Obruca, e.h. Hürm, am 04.Juli 2014
im brief werden viele themen und probleme angeschnitten, die man ausdiskutieren sollte. "man sollte" ist vielleicht eines unserer probleme. was hindert uns daran, darüber zu diskutieren? es wird jedenfalls spannend. 2015 stehen gemeinderatswahlen an und den hürmer schwarzen ist die opposition abhanden gekommen. eine selbstzerfleischung der schwarzen bünde ist zu erwarten.
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