Mittwoch, 6. August 2014

mein brief an die politik

nach der veranstaltung in inning hat mir thomas die aufforderung düringers, der politik einen brief zu schreiben, übermittelt. so wie thomas am 4.7. bin ich am 10.7. dem wunsch nachgekommen. die reaktion war bisher weniger als null. keine empfangsbestätigung, keine rückmeldung, nix. auch auf nachfrage und die bitte, zumindest zu bestätigen, dass sie den text erhalen haben, wieder null reaktion.

ich will euch den text aber nicht vorenthalten. gute unterhaltung!

liebe politik(er)
 
gerne folge ich der einladung rolands, euch einen lieben brief zu übermitteln. wenngleich ich mich frage, wer oder was seid ihr eigentlich? wozu seid ihr da? als unsere vorfahren sesshaft wurden, galt es eine vielzahl an problemen des zusammenlebens zu lösen. was ist seit dieser geburtsstunde der politik aus ihr geworden? ihre kernaufgabe ist die interessen der menschen zu vertreten und die probleme des menschlichen zusammenlebens zu lösen. nur welche interessen vertretet ihr?  wenn unsere volksvertreter in erster linie eigene interessen, die ihrer partei und die ihrer lobbys vertreten, wieviel zeit bleibt dann noch für das gemeinwohl?
 
stellen wir uns vor, in einem gemeinderat, einem landtag oder einem parlament arbeiten alle mandatare an den besten und fairsten lösungen. utopie? was wird aus einem patienten, dessen gesundheit den herumdokternden und sich einander bekämpfenden ärzten eigentlich ziemlich egal ist? ob und wie schnell der staat vor die hunde geht, ist vielen “verantwortlichen” wirklich ziemlich wurscht. 
 
die opfer sind wir und unsere nachkommen. wenn die politik beispielsweise felle verteilt, deren bären unsere kinder erst erlegen müssen. in form von kreditrückzahlungen für staatliche konsumkredite. weil die verlockung im selbstbedienungsladen einfach zu groß ist, ein paar packerl mehr ins wagerl zu legen.
 
sind wir wirklich die opfer? oder doch beitragstäter? warum? weil wir euch ja wählen. groß ist die auswahl ja nicht. alles zwischen pest und cholera. gesundheit kandidiert nicht. parteien und mandatare, die in erster linie konstruktiv die brennenden probleme der gesellschaft nachhaltig lösen wollen, werden nicht gewählt. drum kandidieren sie meistens auch nicht. wir wählen lieber leute, die uns pensions- oder öko-märchen erzählen, die uns anfüttern, die uns erzählen, was wir hören wollen, die uns gefällige feindbilder an die wand malen, die uns den größten persönlichen vorteil versprechen, die prächtigsten sündenböcke präsentieren. und uns erzählen, dass alle schuld sind, nur nicht wir selbst.
 
alle sind schuld, nur nicht wir selbst. wir schimpfen über die bösen spekulanten. und finanzieren unser haus mit einem spekulativen fremdwährungskredit. wir klagen über steuerhinterziehung und lassen unser auto erst einige zeit nach der anmeldung von 120 auf 150 ps chippen. natürlich ohne steuern dafür nachzuzahlen. wir schimpfen über postenschacher und putzen klinken in ämtern, behörden und parteizentralen, weil wir für unser bubi oder mädi ein ruhiges jobberl bräuchten. wir suchen sündenböcke, um zu verdrängen, dass wir selbst teil dieses systems sind.
 
die jüngsten sündenböcke sind die vermögenden. sie sollten durch eine vermögenssteuer endlich ihren beitrag leisten. leisteten die bisher keinen beitrag? keine arbeitsplätze? keine grunderwerbssteuer? keine grundsteuer? keine kursgewinnsteuer? keine kapitalertragssteuer? keine umsatzsteuer? keine einkommenssteuer? wir wissen ja, die bösen reichen sitzen alle in steuerparadiesen. die erreicht man mit einer vermögenssteuer sowieso nicht. wenn unter dem strich eine massgebliche steuerleistung rausschauen soll, dann muss eine solche vermögenssteuer in einer gewissen breite spürbar sein. ein gutes beispiel für eine “bitte-die-anderen-sollen”-(mehr-steuern-zahlen)-demokratie.
 
wenn ihr, vertreter der politiker-kaste, über mehr ehrlichkeit im umgang mit dem bürger philosophiert, dann beginnt doch bitte gleich bei der vermögenssteuer. nennt sie doch so, wie sie wirklich ist: politische unvermögenssteuer. weil ihr nicht in der lage seid, mit den mitteln, die sinnvoll zur verfügung stehen, zu haushalten. ihr sitzt wie maden im speck und kommt natürlich überhaupt nicht auf die idee, die speckmenge zu rationieren. in einem funktionierenden haushalt stellt sich die frage, wie man mit den vorhandenen mitteln möglichst effektiv umgeht. öffentliche haushalte wollen immer mehr mittel zur verfügung haben, koste es, was es wolle.  würde ein unternehmen wie der staat haushalten, wäre es in spätestens drei jahren pleite.
 
wie also kann man euch dazu motivieren, in erster linie für dieses land zu arbeiten und nicht für die bonzokratie im hintergrund? wie können wir die fäden durchtrennen, an denen ihr hängt? wie können wir euch von dem zwang befreien, sich von hinz und kunz mit “sachspenden” vor wahlen anfüttern zu lassen? mir ist schon klar, wahlkämpfe kosten viele millionen und hinz und kunz können geldspenden nicht von der steuer absetzen. da sollen lieber 100 millionen vom konto der bürger in eine ehrenwerte institution fließen als auf einige millionen zur rechten zeit am rechten ort zu verzichten. rot und schwarz wissen schon was sie tun, wenn sie den hypo-untersuchungs-ausschuss verhindern.
 
mit vorzüglicher hochachtung
dein hans!
 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen